Titelbild: KI-generierte Illustration zum Technologiedialog mit fiktiven Personen; keine Aufnahme der Veranstaltung.
Wer mit öffentlichen Mitteln neue Technologie erforscht oder entwickelt, sollte der Öffentlichkeit verständlich erklären, woran er arbeitet. Eine Seite wäre für mich das Minimum. Welches Problem soll die Technologie lösen? Was kann sie nachweislich, wo liegen ihre Grenzen, und wie können betroffene Menschen Einfluss nehmen?
Diese Forderung vertrete ich seit Jahren. Beim UN Digital Cooperation Day in New York habe ich sie erneut eingebracht. Für mich steckt darin eine konkrete Aufgabe von Robotic & AI Governance: Menschen müssen Technologie beurteilen und ihre Wünsche einbringen können, solange wichtige Entscheidungen noch offen sind.
Ein verständlicher Text ist der Anfang. Beteiligung entsteht erst, wenn Rückfragen und Einwände eine nachvollziehbare Antwort bekommen: Wer hat entschieden, und was wurde durch die Rückmeldung verändert?
In diesem Beitrag: zuerst die belegten Ergebnisse aus New York und die Originalaufzeichnungen, danach mein persönlicher Kommentar mit einem konkreten Vorschlag für öffentliche Technologieförderung.
Zu den Ergebnissen · Zu meiner One-Pager-Forderung · Zu den Fragen und Antworten
Veranstaltung: 21. September 2026 · Recherche- und Quellenstand: 18. Oktober 2026
Am 21. September 2026 veranstaltete das UN Office for Digital and Emerging Technologies (ODET) den zweiten UN Digital Cooperation Day in New York. Der Tag während der hochrangigen Woche der UN-Generalversammlung verband drei Aufgaben: wissenschaftliche Erkenntnisse einordnen, politische Entscheidungen vorbereiten und die Voraussetzungen für eine breitere Nutzung von KI schaffen. Das offizielle Programm dokumentiert die Veranstaltungen und Aufzeichnungen.
| Gegenstand | Was konkret vorliegt | Stand und Einordnung |
|---|---|---|
| Nationale KI-Strategien | Vorstellung des UN Blueprint for National AI and Data Strategies; Erfahrungen aus Lesotho und Guinea | Arbeitshilfe für die Umsetzung nationaler Strategien. Lesotho hatte sie bereits im August erprobt. |
| Wissenschaftliche Risikobewertung | Erstes Themenpapier des unabhängigen internationalen wissenschaftlichen KI-Panels | Am 21. September als vorläufige, noch nicht abschließend redigierte Fassung veröffentlicht; Schwerpunkt KI-Agenten, Fehlanpassung und Kontrollverlustrisiken. |
| KI und Katastrophenvorsorge | Neue Partnerschaft zwischen ODET und dem UN Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR) | Angekündigte Zusammenarbeit zum Einsatz von KI für die Verringerung von Katastrophenrisiken. |
| Arbeit, offene KI und grenzüberschreitende Erprobung | Diskussionen über Qualifizierung, Open-Source-KI und gemeinsame Erprobungsräume für KI-Governance | Themen des Austauschs; aus einer Sitzung allein folgt noch kein verabschiedeter internationaler Standard. |
Quellen zur Übersicht: UN-Nachlese, ODET-Bericht zu Lesothos Pilot und erstes Themenpapier des KI-Panels.
Der Blueprint setzt bei einer praktischen Frage an: Wie wird aus einer nationalen KI-Strategie ein Vorhaben, das ein Land tatsächlich umsetzen kann? In Lesotho ging es unter anderem um Rechenkapazität, Energie, Vernetzung, Daten, Kompetenzen und Finanzierung. Am Ende des Workshops im August stand der Entwurf eines nationalen Fahrplans für Rechenkapazität. Bei der Vorstellung in New York kamen Lesothos Erfahrungen und Guinea als nächstes Anwendungsland zusammen. Der ODET-Bericht beschreibt diesen Weg.
Das neue Themenpapier untersucht, wie das Verhalten leistungsfähiger KI-Agenten von menschlichen Absichten abweichen kann. Ausgangspunkt ist ein dokumentierter Vorfall aus der Sicherheitsprüfung solcher Systeme. Das Panel ordnet ihn in die Forschung ein und betrachtet Schutzansätze aus anderen Bereichen mit hohen Sicherheitsanforderungen.
Die Aussagegrenze ist wesentlich: Das Papier beziffert weder die Wahrscheinlichkeit noch den Zeitpunkt eines schweren künftigen Kontrollverlusts. Es gibt auch keine verbindlichen politischen Maßnahmen vor. Die Originalveröffentlichung ist als „advance unedited version“ gekennzeichnet.
Der schon am 1. Juli 2026 veröffentlichte vorläufige Gesamtbericht und das neue Themenpapier erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Der Gesamtbericht bewertet das Feld breiter; das September-Papier vertieft eine konkrete Risikofrage. Die FAQ des wissenschaftlichen Panels erläutern diese Veröffentlichungsfolge. Meine frühere Einordnung zum vorläufigen UN-KI-Bericht bleibt als historischer Beitrag dazu lesbar.
Die Sitzung zur Zukunft der Arbeit stellte Bildung, Qualifizierung und die Vorbereitung von Menschen und Institutionen in den Mittelpunkt. Damit verbunden war die Frage, wer an einer KI-geprägten Wirtschaft teilhaben kann. Aufzeichnung: Arbeit und Bildung.
Im „Panel of Panels“ ging es um den Vergleich internationaler wissenschaftlicher Einschätzungen: Wo stimmen sie überein, wo bestehen Wissenslücken, und welche Perspektiven fehlen? Dazu gehörte der Blick auf Erfahrungen aus dem Globalen Süden. Das war ein Austausch über bessere Evidenzgrundlagen für Governance. Aufzeichnung: Panel of Panels.
Der Tag brachte eine Arbeitshilfe, eine neue wissenschaftliche Veröffentlichung und eine angekündigte Partnerschaft zusammen. Weitere Sitzungen dienten dem Austausch über Umsetzung und Zusammenarbeit. Die offizielle Nachlese stellt diese Schritte in den Zusammenhang der Umsetzung des Global Digital Compact. Sie dokumentiert keinen Beschluss über meine One-Pager-Forderung.
Das UN-Programm verlinkt drei parallele Aufzeichnungen. Die Zeitmarken helfen beim Einstieg in die großen Themenblöcke des Oasis-Streams; über die Raumlinks sind auch die ergänzenden Sitzungen erreichbar.
Vier Einstiegspunkte im Oasis-Stream:
| Thema | Einstieg in die Aufzeichnung |
|---|---|
| Nationale KI-Strategien und Blueprint | ab 01:11:44 |
| KI, Arbeit, Bildung und Qualifizierung | ab 02:47:32 |
| Vorstellung des ersten wissenschaftlichen Themenpapiers | ab 05:42:11 |
| Gemeinsame wissenschaftliche Evidenzgrundlagen: Panel of Panels | ab 06:07:11 |
Die Zeitmarken beziehen sich auf die Laufzeit des Videos und markieren den Einstieg in den jeweiligen Themenblock.
Auch meine Delphi-Studie ist inzwischen im UN Digital Cooperation Portal als Initiative gelistet: Robotics & AI 2050+. Der direkte Eintrag im MUDT-/TUM-Profil beschreibt eine globale, unabhängige Studie zur Zukunft von Robotik und künstlicher Intelligenz. Sie führt Einschätzungen von Fachleuten zusammen und betrachtet sechs technologische Grundfähigkeiten sowie neun Anwendungsbereiche.
Das Portal ordnet die Initiative unter anderem der internationalen KI-Governance und der digitalen wirtschaftlichen Teilhabe zu. Die Studie bleibt ein eigenständiges Forschungsvorhaben; die Portal-Listung macht sie im internationalen Kooperationsverzeichnis auffindbar.
Für mich ergänzen sich diese beiden Aufgaben: Die Studie soll fachliche Zukunftseinschätzungen systematisch erschließen. Die One-Pager-Forderung soll Menschen außerhalb der Fachwelt befähigen, eigene Fragen und Erwartungen einzubringen.
Der UN Digital Cooperation Day 2026 war eine Veranstaltung des UN Office for Digital and Emerging Technologies am 21. September in New York. Im Mittelpunkt standen Wissenschaft, politische Gestaltung und der Aufbau von Fähigkeiten für eine globale KI-Zukunft. Regierungen, Wissenschaft, Unternehmen und Zivilgesellschaft kamen zum Austausch zusammen. Das offizielle Programm zeigt den Rahmen und die einzelnen Sitzungen.
Zu den dokumentierten Ergebnissen gehören der Start des UN Blueprint für nationale KI-Strategien, das erste Themenpapier des wissenschaftlichen KI-Panels und eine neue ODET-UNDRR-Partnerschaft zu KI und Katastrophenvorsorge. Daneben wurden unter anderem Arbeit, offene KI und grenzüberschreitende Erprobungsräume diskutiert. Die UN-Nachlese und die Veröffentlichungsseite des Themenpapiers belegen diese unterschiedlichen Arten von Ergebnissen.
Die hier ausgewerteten offiziellen Unterlagen dokumentieren Arbeitshilfen, wissenschaftliche Einordnung, Kooperationen und Diskussionen. Ein Beschluss über ein verbindliches weltweites KI-Gesetz oder über meine One-Pager-Forderung ist darin nicht ausgewiesen. Für die Einordnung zählen deshalb der genaue Dokumenttyp und sein Status. Eine wissenschaftliche Bewertung informiert politische Entscheidungen; mein Vorschlag für öffentliche Technologieförderung bleibt als persönlicher Kommentar gekennzeichnet. Quellen: UN-Nachlese, Mandat und Veröffentlichungen des Panels.
Der vorläufige Bericht vom 1. Juli 2026 bewertet Chancen, Risiken und Auswirkungen von KI in breiterem Umfang. Das am 21. September veröffentlichte erste Themenpapier behandelt gezielt KI-Agenten, Fehlanpassung und Risiken eines Kontrollverlusts. Es vertieft damit eine Fragestellung, anstatt den Gesamtbericht einfach zu ersetzen. Das Panel erläutert die Folge seiner Veröffentlichungen in den eigenen FAQ. Der historische Stand meines früheren Blogbeitrags zum Gesamtbericht bleibt erkennbar.
Das UN Digital Cooperation Portal führt die globale, unabhängige Delphi-Studie „Robotics & AI 2050+“ im Profil von MUDT und TUM als aktive Initiative auf. Der Eintrag beschreibt ihren Forschungsansatz und ordnet sie Zielen der digitalen Zusammenarbeit zu. Damit ist die Initiative im Kooperationsverzeichnis auffindbar. Über konkrete Ergebnisse oder den Abschluss einer neuen Befragungsrunde sagt diese Listung allein nichts aus. Die Angaben lassen sich im direkten UN-Portal-Eintrag nachlesen.
Die offiziellen Aufzeichnungen stehen für Oasis, Bamboo North und Bamboo South zur Verfügung. Im Oasis-Stream führen die oben gesetzten Zeitmarken direkt zu nationalen KI-Strategien, Arbeit und Bildung, dem wissenschaftlichen Themenpapier sowie dem Panel of Panels. Wer einzelne Aussagen im Zusammenhang hören möchte, kann von dort aus im vollständigen Stream weitersehen.
Ich meine damit eine verständliche öffentliche Seite zu einem Forschungs- oder Technologievorhaben. Sie erklärt, welches Problem untersucht wird, warum dieser Ansatz gewählt wurde, was nachweislich funktioniert, wo Grenzen und Risiken liegen und wie Betroffene mitreden können. Fachfremde Menschen sollen nach der Lektüre begründete Fragen stellen können. Die Seite ergänzt wissenschaftliche Publikationen um einen Zugang für die Öffentlichkeit. Meinen Vorschlag erläutere ich auch im eigenen Videobeitrag.
Meine Forderung richtet sich an diejenigen, die öffentliche Mittel für die Erforschung oder Entwicklung von Technologie erhalten. Dazu gehören ausdrücklich Hochschulen und wir Professorinnen und Professoren. Ich schlage sechs Antworten vor: Problem und Betroffene; Technologie und Alternativen; belegte Fähigkeiten; Grenzen und Nichtwissen; Risiken und Verantwortung; Möglichkeiten zur Rückfrage und Einflussnahme. So bekommt die Öffentlichkeit eine nachvollziehbare Grundlage, ohne dass jede Leserin und jeder Leser zuerst ein Fachstudium absolvieren muss.
Grundlagenforschung kann ihre wissenschaftliche Frage, deren Bedeutung und die offenen Punkte erklären. Ein späterer praktischer Nutzen darf unbekannt sein. Genau das sollte dann verständlich auf der Seite stehen. Ich möchte keinen vermeintlich sicheren Alltagseffekt erzwingen, den die Forschung noch gar nicht belegen kann. Ehrlich dargestelltes Nichtwissen hilft der Öffentlichkeit, Erkenntnisgewinn, Erwartungen und belastbare Ergebnisse auseinanderzuhalten.
Mein Vorschlag verlangt eine verständliche Erklärung innerhalb begründeter Vertraulichkeitsgrenzen. Ziele, erwarteter Nutzen, nachgewiesene Fähigkeiten, offene Fragen und Verantwortlichkeiten lassen sich häufig beschreiben, ohne geschützte technische Einzelheiten offenzulegen. Wo Informationen zurückgehalten werden müssen, sollte die öffentliche Darstellung diese Grenze nachvollziehbar benennen. Der Anspruch bleibt, ein Vorhaben beurteilen und Fragen dazu stellen zu können; die Seite ist keine vollständige technische Offenlegung.
Ich würde ihn zunächst in einem Förderprogramm in bestehende Berichte integrieren und an wichtigen Meilensteinen aktualisieren. Für den Pilot zählt, ob fachfremde Menschen das Vorhaben danach erklären, Grenzen erkennen und eine Rückfrage an die richtige Stelle richten können. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob Rückmeldungen die Entwicklung rechtzeitig erreichen. Der Erfolg bemisst sich für mich an Verständlichkeit und nutzbaren Beteiligungswegen.
Beteiligung entsteht, wenn Rückfragen und Einwände rechtzeitig Einfluss auf noch offene Entscheidungen haben können. Dafür braucht es erreichbare Ansprechpartner, passende Gesprächsangebote und nachvollziehbare Antworten. Menschen sollten erkennen können, was aufgrund ihrer Rückmeldung verändert wurde oder warum eine Entscheidung bestehen bleibt. Fachlich begründete Einwände dürfen dabei ebenso vorkommen wie Fragen ohne technisches Vorwissen. Meine Beiträge zu KI mit über 60 und Robotic & AI Governance führen diesen Gedanken weiter.
Teil 2 · Persönlicher Kommentar: Eine Seite, die Mitreden ermöglicht
Die folgenden Überlegungen sind meine eigene Position. Ich habe die Forderung bei der Veranstaltung eingebracht und möchte sie zur Diskussion stellen.
Eine Forderung, mehrere Gelegenheiten
Ich war als Experte beim UN Digital Cooperation Day in New York dabei.
Viele interessante Gespräche mit Menschen, die die KI-Debatte maßgeblich prägen, gehörten zu diesem Besuch. Meine One-Pager-Forderung habe ich an verschiedenen Stellen artikuliert: in Gesprächen und auch mit einem Wortbeitrag im Rahmen einer Frage an ein Panel.
Mir geht es dabei um eine konkrete Verbindung zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Wenn wir Technologien entwickeln, die den Alltag vieler Menschen verändern können, müssen diese Menschen eine verständliche Grundlage bekommen, um sich ein Urteil zu bilden. Und sie müssen ihre Fragen einbringen können.
Meine Forderung setzt bei einer Aufgabe an, die wir als Forschende und Entwickler selbst übernehmen können: erklären, was wir tun, was wir wissen und was noch offen ist.
Ein Paper erfüllt eine andere Aufgabe als eine öffentliche Erklärung
Wissenschaftliche Publikationen richten sich in erster Linie an Fachkolleginnen und Fachkollegen. Sie sollen Methoden, Ergebnisse und Schlussfolgerungen nachvollziehbar machen. Dafür brauchen wir fachliche Genauigkeit und die Begriffe des jeweiligen Forschungsgebiets.
Menschen außerhalb dieses Fachgebiets brauchen zusätzlich einen verständlichen Zugang. Sie finanzieren Forschung mit ihren Steuergeldern mit. Sie begegnen den Anwendungen später im Alltag. Manche profitieren davon, andere müssen mit Folgen umgehen, die sie sich nicht ausgesucht haben.
Deshalb meine ich mit der Forderung ausdrücklich auch uns Professorinnen und Professoren. Wir sollten erklären können, welches Problem wir bearbeiten, welche Erwartungen wir für begründet halten und wo wir selbst noch Fragen haben.
Eine verständliche Seite verlangt Entscheidungen beim Schreiben: Was müssen Menschen wissen, um das Vorhaben einordnen zu können? Welche Begriffe muss ich erklären? Welche Einschränkung darf ich nicht hinter einer beeindruckenden Demonstration verschwinden lassen?
Sechs Fragen für öffentlich geförderte Technologie
Für mich gehören sechs Antworten auf diese Seite.
1. Welches Problem wollen wir lösen, und für wen wäre das eine Verbesserung?
Am Anfang steht das Anliegen. Wer soll von dem Vorhaben profitieren? Woran würde sich eine Verbesserung erkennen lassen? Auch die Frage, wer möglicherweise Nachteile hat oder zusätzlichen Aufwand tragen muss, gehört dazu.
2. Warum brauchen wir dafür diese Technologie? Welche Alternativen gibt es?
Eine technische Möglichkeit begründet ihren Einsatz noch nicht. Vielleicht lässt sich das Problem einfacher lösen. Vielleicht braucht es eine Kombination aus technischen und organisatorischen Veränderungen. Die Öffentlichkeit sollte nachvollziehen können, warum ein bestimmter Ansatz gewählt wurde.
3. Was funktioniert nachweislich bereits, und unter welchen Bedingungen wurde es geprüft?
Ein Versprechen braucht eine Grundlage. Was wurde tatsächlich getestet? Unter welchen Bedingungen? Was davon lässt sich schon auf den vorgesehenen Einsatz übertragen? Wer den Unterschied zwischen Versuch und verlässlichem Betrieb kennt, kann Erwartungen besser beurteilen.
4. Was können wir noch nicht, und was wissen wir noch nicht?
Ein ehrliches „Das wissen wir noch nicht“ ist eine brauchbare Antwort. Es hilft, Unsicherheit sichtbar zu machen. Dazu gehören technische Grenzen ebenso wie offene Fragen über die Folgen eines möglichen Einsatzes.
5. Welche Risiken sehen wir? Wer entscheidet über Schutzmaßnahmen oder einen Abbruch?
Risiken zu benennen muss Folgen für die Gestaltung haben. Wer trägt Verantwortung? Welche Schutzmaßnahmen sind vorgesehen? Wer kann eingreifen, wenn Annahmen nicht mehr stimmen oder Probleme auftreten? Auch diese Zuständigkeiten sollten verständlich werden.
6. Wie können Betroffene Rückfragen stellen und auf die weitere Entwicklung Einfluss nehmen?
Eine Kontaktadresse kann ein Anfang sein. Entscheidend ist, was danach geschieht: Wann können Menschen etwas beitragen? Wer beantwortet ihre Fragen? Und wie erfahren sie, ob ihr Einwand eine Entscheidung verändert hat?
Den Vorschlag und die sechs Fragen habe ich auch in meinem Videobeitrag auf LinkedIn vom 30. September 2026 zusammengefasst.
Wie das an einem Beispiel aussehen könnte
Stellen wir uns ein öffentlich gefördertes Forschungsprojekt vor, das einen Service-Roboter für öffentliche Gebäude entwickelt. Er soll Besucherinnen und Besuchern helfen, sich zurechtzufinden. Dieses Beispiel ist zur Veranschaulichung gewählt.
Die öffentliche Erklärung könnte zunächst benennen, welches Orientierungsproblem untersucht wird und welchen Menschen eine Unterstützung helfen soll. Anschließend müsste sie erklären, warum dafür ein Roboter erprobt wird. Eine bessere Beschilderung, ein zugänglicher Gebäudeplan oder eine persönliche Anlaufstelle wären naheliegende Vergleichsmöglichkeiten.
Für den Leistungsstand wäre relevant, was bisher unter welchen Bedingungen funktioniert: Erkennt das System unterschiedlich formulierte Fragen? Kommt es mit mehreren Sprachen zurecht? Was passiert, wenn es eine Frage nicht versteht? Welche Aufgaben übernimmt weiterhin ein Mensch?
Falls das Vorhaben Sensoren oder personenbezogene Daten benötigt, sollte die Erklärung beschreiben, wofür sie gebraucht werden und welche Fragen dazu noch offen sind. Zugleich müsste klar sein, wie Menschen ohne die Nutzung des Roboters zum Ziel kommen.
Schließlich braucht es Rückmeldung aus dem Alltag: von Besucherinnen und Besuchern, Beschäftigten und Menschen, deren Bedürfnisse im ersten Entwurf vielleicht übersehen wurden. Ihre Anregungen sollten noch Einfluss auf die Gestaltung nehmen können.
So wird aus einer allgemeinen Ankündigung ein Vorhaben, über das man konkret sprechen kann.
Grundlagenforschung braucht Raum für Nichtwissen
Bei Grundlagenforschung darf die ehrliche Antwort auf die Nutzenfrage lauten: Das wissen wir noch nicht. Erkenntnisgewinn ist ein legitimes Ziel. Ich möchte gerade nicht, dass jede wissenschaftliche Frage vorschnell mit einem vermeintlich sicheren Geschäftsmodell oder einem unmittelbar messbaren Alltagseffekt gerechtfertigt werden muss.
Auch dann lässt sich verständlich erklären, welche Frage untersucht wird, warum sie wissenschaftlich interessant ist und welche Unsicherheiten bestehen.
Ebenso wenig verlangt mein Vorschlag, Geschäftsgeheimnisse oder sicherheitskritische Einzelheiten zu veröffentlichen. Eine öffentliche Erklärung muss solche Grenzen berücksichtigen. Wer einen Nutzen verspricht, sollte aber darlegen können, worauf dieses Versprechen beruht und was bislang eine Erwartung ist.
Die Seite eröffnet das Gespräch
Eine Seite allein schafft noch keine Beteiligung. Ich möchte deshalb, dass zu ihr ein erreichbarer Ansprechpartner und ein nachvollziehbarer Umgang mit Rückmeldungen gehören.
Welche Fragen wurden gestellt? Welche Einwände gab es? Wer hat darüber entschieden? Was wurde verändert, was bewusst beibehalten und aus welchem Grund?
Dabei geht es nicht darum, jede Anregung zu übernehmen. Beteiligung wird glaubwürdig, wenn Entscheidungen erklärt werden und Menschen erkennen können, was ihr Beitrag bewirkt hat.
Diese Haltung verbindet meine Überlegungen zu Robotic & AI Governance mit dem praktischen Zugang aus KI mit über 60: verständlich erklären, eigenes Prüfen ermöglichen und Menschen zu einer begründeten Meinung befähigen.
Auch bei der Social-Media-Regulierung für junge Menschen stellt sich die Frage, wie Schutz, Bildung und Selbstbestimmung zusammenkommen. Die Unterstützung muss zu den jeweiligen Menschen und ihrer Situation passen. Verständliche Information und ernst gemeinte Mitsprache bleiben dabei grundlegende Aufgaben.
Ein Pilot, der an der Verständlichkeit gemessen wird
Der Einwand „noch mehr Bürokratie“ ist berechtigt. Mein Vorschlag ist deshalb, die Seite in bestehende Projektberichte zu integrieren und an wichtigen Meilensteinen zu aktualisieren. Ich möchte kein zusätzliches Formular, das am Ende nur zwischen Projekt und Förderstelle zirkuliert.
Ich würde die Anforderung zunächst in einem Förderprogramm erproben. Zur Erprobung gehört für mich, die Erklärung mit fachfremden Menschen zu prüfen. Können sie nach der Lektüre das Anliegen in eigenen Worten wiedergeben? Können sie erkennen, was bereits funktioniert und was noch offen ist? Finden sie den richtigen Weg für eine Rückfrage?
Ebenso wichtig wäre, ob Rückmeldungen rechtzeitig ankommen und etwas an der weiteren Gestaltung verändern können. Das sind die Fragen, an denen ich den Pilot messen würde.
Die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit bleibt dafür wichtig. Meine Einordnung zum wissenschaftlichen KI-Panel der Vereinten Nationen beschäftigt sich mit dieser größeren Ebene. Die verständliche Erklärung eines konkreten Vorhabens gibt Menschen einen Zugang zu den Entscheidungen, die sie selbst betreffen.
Ich wünsche mir, dass wir damit anfangen. Wer öffentliche Mittel erhält, soll der Öffentlichkeit verständlich Auskunft geben können. Eine Seite ist ein überschaubarer erster Schritt. Was wir daraus an Gespräch und Mitgestaltung entstehen lassen, entscheidet über ihren Wert.